Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger

MobAS - unsere Jährliche Belastungsübung

Alle Atemschutzgeräteträger müssen sich einmal im Jahr einer Belastungsübung unterziehen. Die Feuerwehr Hamburg hält dafür eine Mobile Atemschutz Übungsstrecke vor. Neben leichten sportlichen Tätigkeiten wie Radfahren, müssen außerdem 10m auf der Endlosleiter überwunden werden. Anschließend muss man sich 30m im Dunkeln, durch einen Kriechkäfig arbeiten.

Sieben spannende und lehrreiche Tage - mittendrin statt nur dabei!

Tübingen 2005, aus einem Fachwerkhaus tritt ca. gegen 3 Uhr nachts dicker Qualm. Ein Angriffstrupp der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen wird unter Atemschutz in die völlig verqualmte Lagerhalle geschickt, um den Löschauftrag auszuführen. Sie arbeiteten sich vom Kellergeschoss bis ins Dachgeschoss des Gebäudes. Plötzlich wird ein Angriffstrupp vom Feuer eingekesselt. Der Rückweg ist abgeschnitten. Der mitgeführte Wasserschlauch brennt durch. Kurz darauf sendet der Angriffstrupp einen Notruf, worauf ein Sicherheitstrupp losgeschickt wird, um die beiden Kameraden zu retten. Der Rückweg war abgeschnitten und nach einiger Zeit die Atemluft aufgebraucht. Beide Kameraden des Angriffstrupps C der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen konnten später nur noch tot geborgen werden.

  

Mit Geschichten wie dieser, versuchte unser Ausbilder Lars Lorenzen von der Berufsfeuerwehr Hamburg uns für die Gefahren eines Einsatzes unter Atemschutz zu sensibilisieren. Von Anfang an war uns allen nun bewusst, was es bedeutet, Atemschutzgeräteträger zu sein.

Nun saßen wir also hier. Sieben Abende. 17.30 Uht bis 22 Uhr. Nachdem am 1. Tag Theoriestunde war, ging es gleich am 2. Tag los mit der Praxis und was es bedeutet in Feuerwehrschutzausrüstung körperliche Arbeit zu verrichten. Tag 2 war dem Filter gewidmet. Dieser kann anstatt einer PA-Flasche in bestimmten Situationen (ABC-Angriff) zum Einsatz kommen. Nun ging es also los. Maske um den Hals legen, Maske aufziehen, Spannbänder fest ziehen, 1. Maskendichtprobe, Flammschutzhaube aufziehen, Helm aufsetzen. Gleich war es also soweit. Filtergerät anschließen. Vielen von uns war jetzt schon etwas mulmig zu mute, da das Atem jetzt schon, noch ohne Filtergerät, bedeutend schwerer wurde. Deswegen kam auch gleich von Herrn Lorenzen der Rat, in Situationen in denen man das Gefühl hat keine Luft mehr zu bekommen sich folgenden Satz immer ins Gedächtnis zu rufen: “Stehe still und sammle dich”.

 

Ein Satz, an den sich noch viele die kommenden 6 Tage erinnern würden. Unser Ausbilder machte uns klar, dass es wir jetzt gleich den Filter anlegen würden, um ein paar Ausdauerübungen zu absolvieren. Maske abziehen ist hier gleichbedeutend mit Lehrgang zu Ende. Es war also so weit. Der Atemschutzfilter wurde angelegt. Nach einer Laufrunde, einem zweifachen Aufsteigen ins 4. OG und einer weiteren Laufrunde auf dem Gelände der Feuerwehrakademie Hamburg und einer 100m langen Kriechrunde unter einer stehenden S-Bahn waren wir alle mit unseren Kräften am Ende und der Lehrgang um einen Kameraden kleiner. Nicht wenige mussten, eingeklemmt zwischen Wand, Schienen und Bahnwaggon, sich der Worte erinnern: “Stehe still und sammle dich”. Zu lange konnte man allerdings auch nicht “still liegen”, da schon nach kurzer Zeit die aufmunternden Worte der Ausbilder uns ereilten uns doch endlich zu bewegen und weiter zu robben. Danach ging es dann truppweise in einen Parkour in völliger Dunkelheit. Hier war wieder Kommunikation, Orientierung, Ruhe bewahren in beengten Verhältnissen sowie Tuchfühlung mit dem Kameraden angesagt. Nachdem dies geschafft wurde, durften wir unsere Masken waschen und unsere komplett durchnässten Klamotten ablegen. Jedem von uns schwante jetzt, wie die kommenden Tage aussehen würden.

 

Am 3. Tag hieß es zum ersten Mal: Atemschutz mit der PA-Flasche. Nachdem wir die Flaschen einer Sichtprüfung unterzogen hatten, unsere Maske angelegt und die Flaschen aufgesattelt hatten, durften wir nun die Flasche an die Maske anschließen und aufdrehen.

 

Aufatmen bei allen Teilnehmern, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Vergleich zum Filter ging das Atem mit der PA-Flasche doch um einiges leichter, da die Luft mit leichtem Überdruck in die Maske strömte. Wir alle waren etwas erleichtert. Dann nochmal das gleiche Programm wie am Vortag. Alles easy so weit. Nur die Flasche mit ihren knapp 10 Kilo machte sich doch bemerkbar. Gleichzeitig schränkt die Flasche die Bewegungsfreiheit doch sehr ein. Vor allem wenn man unter einer S-Bahn durchrobben muss, wird es an ein paar Stellen doch sehr eng. 100m unter Atem-schutz können dann verdammt lang sein. Vor allem wenn das Warnsignal der PA-Flasche losgeht und man erst die halbe Strecke der S-Bahn hinter sich hat. Unterschreitet man die 50bar-Grenze ertönt ein unangenehm lautes Pfeifen direkt neben dem linken Ohr. Nun lagen da also 12 Mann unter einer S-Bahn. Die Hälfte von Ihnen pfeiften aus dem letzten Loch. Ein wahres Pfeifkonzert. Danach hieß es PA-Flaschen wechseln und ab in den Parkour. Dieser war durch die PA-Flasche auf dem Rücken noch beengter als am Tag zuvor. Das ein oder andere Mal klemmten Kameraden fest oder verhackten sich in den Leinen, welche im Parkour gespannt waren. „Stehe still und sammle dich“- ein guter Ratschlag. Letzten Endes kamen wir allesamt schweißgebadet, aber gut erhalten am Ende des Parkours an und konnten dann unseren Atemschutz ablegen. Tag 3 war überstanden.

 

 

Donnerstag war dann truppweises Durchsteigen eines Schiffes in Dunkelheit. Hier war ständige Kommunikation und Tuchfühlung mit dem Kameraden angesagt. Nach der guten Vorbereitung am Vortag stellte uns das Schiff bzw. das Durchsteigen vor keine größeren Probleme. Danach wurde der Lehrgang in 6er Teams aufgeteilt. Die Aufgabe war nun ein Dachvorsprung, welches etwa 2,50m hoch war, zu besteigen. Ohne Leiter, ohne Wand zum anlehnen und ohne Hilfsmittel. Mit PA auf dem Rücken und nur mit reiner Manneskraft. Bis zum letzten Mann stellte uns dies vor relativ wenig Probleme. 3 Mann wuchteten die ersten 3 aufs Dach. Kein Problem. Dann wurden die nächsten 2 vom letzten Verbliebenen hochgedrückt und von den oberen hochgezogen. Schon mehr Probleme. Der letzte Kamerad erwies sich trotz seines relativ leichten Gewichts als schwerer Brocken. Riesenproblem. Nur unter größten Anstrengungen von allen Beteiligten konnte der Letzte von uns nach oben gezogen werden, indem zwei Kamerden von oben sich weit nach vorn überbeugten, mehr oder weniger bis zur Hüfte und die anderen auf deren Beine saßen, um sie zu sichern. Der letzte Kamerad wurde so halb ziehend, halb aufsteigend auf das Dach gehieft. Geschafft. Und wieder wurde unsere letzte Tagesaufgabe von einem kleinen Pfeifkonzert begleitet.

 

Freitag, der letzte Tag der Woche: Suchtechniken erlernen unter Atemschutz. Unter Atemschutz und mit verbundenen Augen wurden wir mit Axt und C-Schlauch in verschiedene Räume geschickt, die wir dort zu zweit absuchen sollten. Oberste Devise: Nie den Schlauch, nie den Nebenmann und nie die Wand aus den Händen verlieren.

 

Montag: Übung für den Sicherheitstrupp. Der Sicherheitstrupp ist der Trupp, der reingeht, wenn eine Notfallmeldung von einem der Angriffstrupps kommt. Dann heißt es Sicherheitstasche schnappen und so schnell wie möglich zum verunglückten Kameraden vordringen.

 

Dienstag, dann die Zimmerbrandanlage ZBA sowie die MOBAS, das Mobile Atemschutzfahrzeug der Feuerwehr Hamburg.

 

Die MOBAS muss von allen AGT-Trägern einmal pro Jahr durchschritten werden, um die Tüchtigkeit für den Einsatz im Schadensfall zu gewährleisten. Das bedeutet: Unter Atemschutz aufs Laufband, aufs Fahrrad, auf die Endlostreppe und danach dann an eine Seilzugmaschine. Nachdem wir bei diesen Übungen nun schon ziemlich ins Schwitzen und Pumpen kamen, mussten wir danach durch einen kleinen Parcour mit unzugänglichen Röhren, engen Öffnungen und kleinen Treppen in engen Gängen. Das Ganze im Dunkeln, mit Atemschutz und Geräuschen vom Tonband. Dazu noch etwas Rauch, welcher von einer Rauchmaschine erzeugt wurde. „Stehe still und sammle dich“.

Danach, die Köngisdisziplin: Die Zimmerbrandanlage. Man muss sich die ZBA als Container vorstellen, auf einer Seite ist eine kleine Tür. Auf der standen wir. Und auf der anderen Seite war ein 2m größer Flammenwerfer, direkt auf die Tür gerichtet.

 

Aufgabe war es nun, sobald das Kommando kommt und Feuer im Container ist, die Tür zu öffnen und den Container zu betreten. Ganz wichtig hier bei: sich zu ducken und klein bleiben. Dann 3 kurze Stöße mit dem C-Strahlrohr. Wieder raus, Tür zu. Danach das gleiche, solange bis die Flamme weg ist. Grund für die Stoßtechnik bei Innenbränden ist die Tatsache, dass aus nur 1l Wasser 1700l Wasserdampf werden. Und der wird verdammt heiß. Benutzt man also zu viel Wasser, kann sich der Angriffstrupp verbrühen, da die Maske zwar das Gesicht schützt, nicht aber den Nacken und die Ohren. Die Flammschutzhaube saugt sich mit dem heißen Wasserdampf voll, was dann zu den unangenehmen Verbrühungen führen kann.

 

Nach einer kurzen theoretischen Einführung gingen wir dann nervös, aber doch mit einer großen Vorfreude zu unseren Sauerstoffflaschen und legten unser PA und unsere Schutzkleidung an. Danach noch kurz ein paar Stöße am C-Rohr, um die Löschtechniken am Schlauch noch einmal kurz in Erinnerung zu rufen. Von hier aus hörten wir schon das Fauchen der Zimmerbrandanlage (ZBA). Ehrfürchtig machte sich der 1. Trupp auf den Weg in die ZBA.

 

Tür auf, Flammenwalze rein, wir rein. Wasser. Es war für uns alle doch sehr beeindruckend wie nah die Flammen kamen und wie heiß es um einen herum wure. Allerdings waren wir viel zu sehr damit beschäftigt, dass C-Rohr zu bedienen, so dass wir die Hitze nicht wirklich registrierten. Nachdem wir auch diesen Teil erfolgreich abgeschlossen hatten, bekamen wir danach mehr oder weniger feierlich von Herrn Lorenzen die Urkunden zur bestandenen Teilnahme des Lehrgangs ausgeteilt.

 

Wir möchten uns hiermit nochmal bei Herrn Lorenzen bedanken, der den Kurs durch seine persönlichen Geschichten und seine ermutigende Art für alle Teilnehmer sehr interessant wie auch sehr lehrreich gestalten konnte. Ich möchte auch allen Kameraden des Lehrgangs danken für den tollen Zusammenhalt und die witzigen Stunden trotz der späten Abendstunden.

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